Rund um den Dachstein

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Die „Qual der Wahl" oder „Auf zwei Kirchtagen tanzen"
Internationale Wertungsfahrt für historische Motorräder
17. 08. 2002

von Hermi Kürner

Wie jedes Jahr hatte ich auch diesmal, die „Qual der Wahl", soll ich zur „Landl Rallye" nach Meggenhofen oder „Rund um den Dachstein". Nun, ich hatte schon viele Male in Meggenhofen teilgenommen, so entschied ich mich diesmal für den Dachstein, eine richtige Entscheidung im Nachhinein betrachtet.
Da ich ja von Wels aus, auf eigener Achse nach Bad Goisern fahren wollte, reisten wir, mein Mann Gerhard und ich, bereits am Freitag nach Bad Goisern.
Ganz auf Meggenhofen haben wir aber dann doch nicht verzichtet, den der Weg nach Goisern führte uns eben Dorthin, um kurz zu plaudern und die unvergleichlichen „Pofesen" zu probieren, dann traten wir den Weg nach Goisern an.
Der Wettergott meinte es vorerst ganz gut mit uns. Bis zur Einfahrt in den Sonnsteintunnel am Traunsee war es trocken, doch die Ausfahrt war keine Dusche, sondern der Regen wurde aus Fässern über uns geschüttet. Genau 5 Kilometer, dann war es wieder vorbei. An dieses Wetter sollten wir uns gewöhnen, denn auch am nächsten Tag wurde es nicht anders.
Im Haus Dachstein in Bad Goisern bezogen wir ein original „Salzkammergut-Zimmer", das heißt; die Einrichtung aus den 60iger Jahren, fast schon nostalgisch, der Preis aber 2002.
Wir trafen uns dann mit mehreren Teilnehmern die ebenfalls schon angereist waren, zu einem gemütlichen Abend im Gastgarten. Es gab die Startunterlagen und am nächsten Morgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück los.
48 Motorradfahrer hatten sich am Start eingefunden, 32 sind dann am Ziel auch wieder angekommen. Darunter waren auch 5 Vorkriegsmaschinen und 5 Beiwagengespanne. Wie immer auch dabei unser Clubkollege Hörtenhuber Fritz mit Bertha und sein BMW-Gespann. Soweit mir bekannt ist benötigte er bei dieser Fahrt nicht einmal, einen Schraubenschlüssel oder gar einen Hammer um sein Gefährt auf Schwung zu halten.
Aber auch ein „Jungtimer" fand sich in Bad Goisern ein und zwar unser Präsident Herr Dr. Barzal, dem die „rutschige" Fahrbahn mit seiner Harley, etwas zu schaffen machte.
Kein geringerer als Bürgermeister ................, ein gestandener Goiserer, im passenden „Outfit" schwang die Startflagge. Es hatten sich auch einige Zuschauer eingefunden, mit den „Fachleuten „ und Kollegen wurde diskutiert, bewundert und „repariert", sowie eingehend Ratschläge ausgetauscht.
Mit Nummer 19 ging es dann mit meiner um 4 Jahre jüngere BMW R50, Baujahr 54 als ich, ins Rennen, ohne genau zu wissen was eigentlich vor uns lag. Vorsichtshalber habe ich ja als Begleiter und Servicemann meine bessere Hälfte mitgenommen, der mich auf seiner BMW R 80 auf der „Rennstrecke" begleiten sollte.
Die Route führte vorerst zum Hallstätter See, entlang des Sees bis Obertraun, zur ersten Gleichmäßigkeitsprüfung am Koppenpass. Mann musste eine vorerst nicht bekannte Streckenlänge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 Km/h meistern, das mir auch sehr gut gelang und ich bei dieser Wertung keine Strafpunkte einheimste.
Durchs herrliche Ausseerland erreichten wir Bad Aussee dann Gössl und Bad Mitterndorf. Um die Landschaft zu genießen ließ ich mir auch richtig Zeit, bummelte seit dem Start durch die Landschaft, konnte dabei fast die am Straßenrand stehenden Bergblumen pflücken, ohne zu realisieren wie weit es eigentlich noch bis zum Endpunkt der Wertung an der Dachstein Südwand war.
Die 2. Sonderprüfung war ebenfalls ein Gleichmäßigkeitsfahren im Wörschachwald. Hier kündigte sich bereits das „Unheil" an: Der Himmel verdunkelte sich, der Grimmig, wurde seinem Namen gerecht, Treul Thomas blieb mit seiner Panther 100 wegen Motorschadens am Straßenrand stehen und mein „Servicemann" war weit und breit nicht zu sehen, als Petrus über uns die „Schleusen" öffnete.
Mir blieb nichts anderes übrig als unter einem Dachvorsprung Zuflucht zu suchen, da sich mein Regenanzug in den Packtaschen meine Begleitmaschine befand und die Lederjacke bereits wie ein Schwamm vollgesogen war. Auch einige andere Teilnehmer fanden neben mir unter dem Dachvorsprung, Zuflucht. Endlich nach 20 Minuten, als der Regen sich etwas gemäßigt hatte, tauchte auch mein lieber Mann mit dem Regenanzug auf und ich konnte nun, von Außen vor neuem Regen geschützt, aber dafür von Innen patschnass, die zweite Prüfung absolvieren.
Sie führte auf einer Schotterstraße mit vielen Kurven und kräftigem Gefälle ins Ennstal hinunter, wo es mit dem Regen wieder vorbei war und sogar die Sonne durch die Wolken blinzelte.

In "flotter Fahrt" wie man so schön sagt, fuhren wir das Ennstal hinauf um auf Umleitungen und Umleitungen von den Umleitungen, wegen verschiedener Vermurungen, dann endlich den Kontrollpunkt der ersten Etappe, an der Auffahrt zur Dachsteinsüdwand zu erreichen.
Leider rächte sich nun meine Naturliebe und auch das „versagen" des Serviceteams, denn ich kassierte Tausende von Strafpunkten, da ich das Zeitlimit von 180 Minuten um vieles überschritten hatte. Aber was soll es, ich sagte mir „Dabeisein ist alles".
Trotz des wieder einsetzenden Regens erklommen wir die Mautstraße zur Südwand und genossen das gemeinsame Mittagessen im Gasthaus Huner Kogel.
Danach zeigte sich sogar für einige Minuten der Dachsteingipfel; es war auch höchst Zeit, damit wir nun endlich wussten, was wir eigentlich „umrunden" sollten.
Über eine Nebenstraße, die noch kurz vor unserem Befahren wegen Murenabgang gesperrt war ging es weiter nach Filzmoos. Einige der Teilnehmer vertrauten auf den guten Rat der „Einheimischen" und fuhren einen großen Umweg, da zwar ganz Österreich wusste, dass die Straße nicht mehr gesperrt war, aber einige Ramsauer es leider noch nicht.
Es ging dann von Filzmoos hinaus ins Lammertal und dann völlig frei von jeglichem Zeitdruck auf der Salzburger Dolomitenstraße nach Annaberg und Rußbach wo ich mir und meiner Maschine eine kurze Pause gönnte.
Den höchsten Punkt der Rückreise, den Pass Gschütt mit 957 Meter passiert ich mit „Bravour" und bergab nach Gosau, durch den Gosauzwang nach Steeg war mir und meiner Maschine „nichts zu steil".
Nur unser lieber Petrus meinte wohl wir wären beim Aufstieg auf den Pass ins „Schwitzen" gekommen und begoss uns noch einmal ganz kräftig von oben.
In Bad Goisern angekommen lag noch einmal eine Prüfung vor mir: „Langsamfahren" !!!. Das hatte ich ja Vormittags schon ausgiebig geübt und so fiel diese Wertung für mich wieder ganz gut aus und ich konnte nun auch zum ersten Mal das Thema „Rund um den Dachstein" abhaken.
Das Ergebnis unserer Anstrengung wurde uns in einem schönen Gastgarten verkündet. Der Veranstalter hatte natürlich keine „Kosten und Mühen" gescheut, ließ sogar die Sonne scheinen und die Sieger wurden kräftig gefeiert. Meine BMW und ich erreichten trotz Allem den 25. Platz.
Fürs leibliche Wohl sorgte ein „Grillmeister" der uns mit diversen Spezialitäten verwöhnte, der Durst wurde kräftig gelöscht und die Stimmung war bei allen „Rennfahrern" ausgezeichnet.
Leider konnten wir diesen Abend nicht bis zum Schluss genießen, da wir ja an diesem Tag noch auf eigener Achse nach Wels fahren mussten und dort auch „trocken" ankamen.

Um 305 Kilometer reicher an Motorraderfahrung und mit der Einsicht, im nächsten Jahr, die „Qual der Wahl" nicht mehr zu haben, da ich ja auf „zwei Kirchtagen tanzen" kann, begab ich mich zur wohlverdienten Bettruhe. Mit mein ausgezeichnetes „Serviceteam" an meiner Seite, träumte ich in dieser Nacht von den wunderschönen Bergblumen, den vielen alten Motorrädern, dem gestandenem Bürgermeister, den kräftigen Regenschauer, dem mächtigen Dachsteingipfel, den lustigen Vorkommnissen, dem guten Mittagessen, den vielen freundlichen Motorradkollegen, aber auch ein kleines bisschen von den guten „Pofesen" in Meggenhofen.

Herzlichen Dank an die Fahrtleitung unter Franz Löffler für die hervorragende Organisation.

Hermi Kürner