Eine kleine Weihnachtsgeschichte
Einige Stunden Freude

von Hermi Kürner

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Eine kleine Weihnachtsgeschichte über die " Hochwasserhilfe" in Deutsch Mocra (Karpaten-Ukraine)

Als uns am 10. 11. 1998 ein Fax aus Uschgorod erreichte, aus dem wir erfuhren, dass eine Hochwasserkatastrophe Transkarpatien heimgesucht hat, ahnten wir nichts von der Aufgabe die uns bevorstand, um den armen Menschen, speziell in Deutsch Mocra ein bisschen zu helfen und Ihnen ein "Christkind" zu schicken.
Wie gesagt es begann am 10.11. 98, Frau Irina von Intourist Uschgorod teilte uns mit, dass durch die Hochwasserkatastrophe speziell die Bewohner des Theresientals, die ehemaligen Aussiedler aus dem Salzkammergut, besonders arg heimgesucht wurden. Viele Obdachlose, von der Außenwelt abgeschnitten, kein Strom, keine Lebensmittel, nur mit dem Helikopter erreichbar, das war der damalige Stand, der sich bis jetzt kaum verändert hat.
So entschloss sich unsere Familie zu helfen. Wir dachten vorerst an einen kleinen Transport mit unserem VW-Bus, schlossen dann auch den Anhänger mit ein und am Ende waren es 5 Tonnen die wir in die Ukraine transportierten und weitere 3.5 Tonnen Lebensmittel die wir in Uschgorod einkauften.
Nachdem wir unsere Bekannten, Kunden und Nachbarn über die Aktion informiert hatten, erhielten wir vom Kiwanis Club Wels, eine Spende von S 50.000,--, Initiator war unser Nachbar Schmidt Heinrich, weitere 10.000 Schilling von Kunden und nach einem Aufruf im Radio OÖ. auf 95,2 noch einmal 7.500,-- für Petroleumlampen. So hatte sich eine Summe angesammelt mit der wir schon etwas zustande bringen konnten.
Jede Menge Kleider und Sachspenden gingen bei uns ein. Es waren 950 Männer Lebkuchenpakete, 1500 Ringhefte von Format. 450 Müsli-Pakete von Fa. Knorr und dann kauften wir auch bei uns vom vorhandenen Geld Süßigkeiten für Weihnachtspakete für die Kinder von Deutsch Mocra. Mit Hilfe von unseren Freunden, Fam. Zauner, Frau Karin Knoll mit Sohn, und meine Mutter Frau Filzmoser, machten wir 170 Weihnachtspakete, eins für jedes Kind in Deutsch Mocra. Weiters 150 Lebensmittelpakete für jede Familie. Außerdem kauften wir noch 150 Petroleumlampen zuzüglich 150 Flaschen Lampenpetroleum, nachdem wir erfahren hatten, dass es immer noch keinen Strom gibt.
Am Donnerstag den 03. 12. 98 wurden wir zusammen mit 2 LKW Hilfsgütern in Linz vorm Landhaus von Landeshauptmann Dr. Phüringer, offiziell verabschiedet.
Unsere Reise begann am Sonntag den 06. 12. um 5.00 Uhr früh. Unser Bus war innen ausgeräumt, nur 8 Sitze im vorderen Bereich blieben für uns Mitreisende. Innen war der Bus bis an die Decke vollgepackt. Außerdem hatten wir auch noch einen vollgefüllten Anhänger. Mit auf die Reise gingen wir, Gerhard und Hermi Kürner, unser Sohn Michael, Vater Filzmoser Franz, unser Nachbar vom Kiwanis Club Heinrich Schmidt, Herr Hartl, ein deutschstämmiger Ukrainer und Kunde und Herr Zeppetzauer Christian aus Bad Ischl, der seit Jahren Deutsch Mocra mit Hilfsgütern versorgt.
Die Anreise erfolgt über Wien zur Grenze Nickelsdorf. Die Durchfuhrpapiere hatten wir für Ungarn, nur einen kleinen Schönheitsfehler hatten diese. Auf der Geschenksurkunde stand nicht das Petroleum für die Lampen, das wir erst ganz kurzfristig besorgen konnten. Dieser Umstand erforderte bei den Ungarn eine Kaution und einen Zeitaufwand von einer Stunde.
Die Fahrt ging dann ohne Probleme weiter nach Budapest, auf der A3 Richtung Miskolc, in Gyöngyös unterbrachen wir unsere Fahrt für eine kurze Mittagspause. Weiter durch die ungarische Tiefebene ging es dann nach Nyiregyhaza, wo es bereits dunkel wurde und dann zur Grenze in Zahony. Die Grenze war wie ausgestorben, nicht ein einziges Auto stand an der Abfertigung. Bei den Ungarn waren die Formalitäten rasch erledigt. Dann über die Theiß, dem Grenzfluß zwischen Ungarn und Ukraine, hier erreichten wir die Ukrainische Abfertigung. Zuerst Passkontrolle, etwas Verzögerung, es ist gerade Schichtwechsel bei den Grenzpolizisten, das heißt, eine Stunde wird an der Grenze nicht gearbeitet. Die Grenzer müssen sich ja schließlich verabschieden bzw. begrüßen. Wir kannten das aber aus unseren früheren Reisen in die Ukraine und fassten uns in Geduld. Endlich Passkontrolle. Humanitäre Hilfe wird zu weiteren Abfertigungen geschickt, Papier gelesen, in Computer eingegeben. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ich glaubte wir sind schon fertig, dann teilt uns ein höflicher Beamter mit: " Sie müssen zum Zollhof". Es sind seit der Ankunft an der Grenze bereits 2 Stunden vergangen. In der Zwischenzeit erreicht mich ein Anruf von Herrn Atzlinger von der Landlerhilfe OÖ., der uns mitteilt, dass die zwei LKW, die bereits am Donnerstag aufgebrochen sind, auch erst jetzt an ihrem Ziel im Theresiental angekommen sind.
Für die Fahrt zum Zollhof bekommen wir zwei Begleitfahrzeuge mit blinkenden Gelblichtern. Also "geschützt" unterwegs zu neuen Erkenntnissen. Zwei Kilometer Fahrt zum Zollhof. Ein A4 Zettel wird mir ausgehändigt, auf dem Einteilungen sind für 12 Stempel!!! Aber wie man uns sagte, werden humanitäre Transporte rasch abgefertigt. Eine "Exkursion" durch sämtliche Büros des Zollhofes begann.
Computer werden "strapaziert", Listen ausgefüllt, Fragen gestellt, an wen? von wem? wie viel Kilogramm, ect, wenn man da nicht perfekt "ausländisch" könnte. Aber endlich komme ich zum letzten Stempel auf meinem Formular. Ein Zollbeamte hatte aber vor der Abfertigung noch ein kleines Problem: In seinem Buch, wo wieder alles genau aufgeschrieben werden musste, ist die Seite voll, er blättert um, auf der nächsten Seite fehlten aber die Striche für sein Register, diese mussten zuerst gezogen werden. Leider hatte er kein Lineal und musste dafür die Mousunterlage vom Computer verwenden, da diese aber nicht über die gesamte Seite reichte, musste er immer wieder nachsetzen. Doch endlich sind die sieben Striche gezogen und wir konnten zur Besichtigung unserer Ladung schreiten. Dieser Vorgang war ein sehr kurzer, den nach einem kurzen freundschaftlichen und "schöpferischen" Händedruck war dieses Problem keines mehr.
Endlich um 23.00 Uhr Ortszeit konnten wir den Zollhof verlassen und ins 30 Kilometer entfernte Uschgorod fahren, wo im Hotel Zakarpatye Zimmer für uns bestellt waren. Natürlich war das Restaurant schon geschlossen und wir konnten uns in der Bar noch mit einer frischen "Ukrainischen Sulz" und einigen Flaschen bestem Krimsekt stärken. Nach diesem anstrengenden Tag und einer Fahrt von 830 Kilometer hatten wir uns das wohl verdient. Müde gingen wir zu Bett. Bis auf jene 3 "älteren" Kollegen, die noch bis 3.30 auf die Bar aufpassen mussten. Dabei, wie man gehört hat, sollen sie einige Flaschen geleert haben.
Montag 07. 12. 98. Ein Blick aus dem Fenster verriet uns nichts Gutes. Es schneite ganz dicht. Also heute kann der Helikopter sicher nicht fliegen. Wir verbrachten den Tag damit, alle jene Personen zu besuchen, die unsere Hilfsaktion von Uschgorod aus unterstützt haben. Wir wurden auch vom Herrn Dir. Mazola empfangen, dem Hoteldirektor, der unsere Aktion sehr begrüßte und auch dadurch unterstützte, dass wir im Hotel gratis wohnen durften. Bei ihm erfuhren wir genaue Details über den Hergang des Unglücks, da er ja im Theresiental wohnt und seine Frau eine gebürtige Deutsch Mocra- Einwohnerin ist. Er hat selbst in seinem Haus zehn obdachlose Personen untergebracht und auch im Hotel wohnt eine Familie, die das Haus und damit sämtliches Hab und Gut verloren hat. Wir kümmerten uns auch um die in Uschgorod bestellten Lebensmittel, insgesamt 3.5 Tonnen die von der Firma direkt bei Bedarf zum Flughafen geliefert werden. Bei einem Kontakt mit dem Flughafen erfuhren wir, dass wir vielleicht am Dienstag fliegen können, da das Wetter besser werde, wie man uns versicherte. Der Tag ging rasch vorbei und zum Abendessen gab es Bortsch-Suppe und Naturschnitzel mit Pommes. Alle schliefen diese Nacht sehr gut, manche nur "kurz" dafür aber schnell.
Dienstag 08. 12. 98. Das Wetter sieht nicht so schlecht aus, wir fahren um 9.00 Uhr zum Flughafen, voller Tatendrang. Am Flughafen ist das Militär damit beschäftigt, den Vorplatz des Flughafengebäudes vom Schnee zu säubern, mit Schaufel und Schiebetruhe geht man ans Werk. Es muss ja alles sauber sein, denn heute kommt der Präsident der Ukraine Kutschmar um die Hochwassergebiete zu besuchen. Die Rolltreppe mit dem roten Teppich steht schon bereit. Leider beginnt es wieder zu schneien, wir müssen warten, begeben uns ins Flughafenrestaurant, warten... warten.... jede halbe Stunde eine Mitteilung , kein Flug möglich. Um 13.30 verlassen wir den Airport und vertrösten uns auf Morgen. Abendessen im Hotel, heute gibt es ganz was "Besonderes", Bortsch-Suppe und Naturschnitzel mit Kartoffel!!!!
Mittwoch 09. 12. 98. Augen auf, ein Blick zum Fenster..... es schneit ganz dicht! Keine Diskussion darüber, ob wir fliegen können. An diesem Tag lernen wir die Familie kennen die im Hotel untergebracht ist, wir machen ein kleines Interview. Sie erzählen uns, dass sie zusehen mussten, wir ihr Haus einfach weggeschwommen ist. Sie konnten sich in letzter Minute nur mit dem Nachthemd bekleidet aus dem Haus retten. Alles weg! Die Mühe und Arbeit eines Lebens. Opa ist 77, seine Frau 70 und die Enkelin 15 Jahre alt. Eine Flutwelle von sieben Meter hat ihren gesamten Besitz einfach weggespült. Mit dem Helikopter wurden sie nach Uschgorod gebracht und wohnen jetzt in einem kleinen Hotelzimmer ohne Zukunftsaussichten. "Was aus uns wird, weiß nur der liebe Gott", so der Ausspruch der Oma.
Am Nachmittag machen wir einen Stadtbummel und besuchen das herrlich verschneite Freilichtmuseum von Uschgorod, eine herrliche weihnachtliche Stimmung. Bei Minus 16 Grad male ich ein Aquarell, das Wasser gefriert mir am Blatt zu Eiskristallen, ein schöner Anblick. Am Abend wieder gemeinsames Abendessen. Eine besondere Überraschung! Es gibt heute Bortsch-Suppe und Naturschnitzel mit Reis!!!!
Donnerstag 10. 12. 98. Ein Blick aus dem Fenster, vielleicht können wir doch fliegen. Diesmal fahren wir nicht zum Flughafen sondern telefonieren nur. Aber auch an diesem Tag ist ein Flug nicht möglich. Filzmoser-Opa hat einen schlechten Magen! Von den Kartoffeln von Gestern????????
Wir besuchen den Markt in Uschgorod. Immer wieder ein Erlebnis, besonders die "Fleischabteilung". Besuchen auch die Stadt, es gibt alles, wenn man Geld hat. Aber das haben die wenigsten. Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von S 300 bis S 500, --, kann man sich nur das Nötigste kaufen. Die Atmosphäre ist überall sehr beklemmend. Wenn es dunkel wird, gibt es sehr wenig Licht. Man spart überall Strom, auch in den Geschäften. Die Straßen sind kaum vom Schnee geräumt, die Beleuchtung ist spärlich. Trotz der Kälte gibt es jede Menge Menschen, die entlang der Wege Ihre Waren anbieten um wenigstens einen kleinen Verdienst zu haben. Bei uns kommt bei diesem Anblick absolut keine weihnachtliche Stimmung auf. Abends erreicht mich ein Anruf von Erika aus Tokay. Sie fragt: "Wann kommt ihr", wir wollten ja an diesem Tag bereits wieder auf der Heimfahrt in Tokay übernachten. Erika hat für uns ein Ganserl gebraten, wie sie mir mitteilt, jetzt muss Sie diese leider alleine mit Ihrer Familie essen!
Unser Abendessen ist wieder im Hotel. Heute haben wir ein ganz spezielles Menü, Bortsch-Suppe!!!, Naturschnitzel gerollt!! mit Bratkartoffel. "Mahlzeit und Gute Nacht".
Freitag 11. 12. 98. Ein Blick aus dem Fenster, strahlender Wintertag! Minus 16 Grad. Wir fahren zum Flughafen. Warten auf die Beladung. Nach einigen Formalitäten geht's mit dem Bus auf das Rollfeld. Direkt neben der MI 8 - Helikopter, steht der Bus und wir können laden. Zuerst sehr zaghaft beginnt die Aktion, aber endlich helfen uns auch die Piloten und das Bodenpersonal. Wir laden zuerst sämtliche Pakete die wir vorbereitet haben und dann füllen wir den Helikopter noch mit Kleidung an. Der erste Flug erfolgt mit der MI 8 mit 3.5 Tonnen und der MI 2, ein kleinerer Hubschrauber, der die Personen transportiert.
Wir heben um 11 Uhr das erste Mal ab. Dank des schönen Wetters können wir quer über die Karpaten fliegen. Ein herrlicher Flug über die verschneiten Berge. Nach 45 Minuten Flugzeit erreichen wir das Theresiental. Die Besatzung sucht einen Landeplatz. Dort, wo wir immer gelandet sind türmt sich meterhoch das Holz der zerstörten Häuser und auch Treibholz auf. Nur ein kleiner Fleck war frei; mit einem roten Wimpel war diese Stelle als Landeplatz gekennzeichnet. Der Schnee hat alles zugedeckt. Man merkt kaum was von den Schäden. Wir kreisen zwei mal, dann landen wir. Minuten schwebt der tonnenschwere Helikopter über dem Boden, um den Schnee wegzublasen, damit man das Gelände doch etwas ausnehmen kann. Dann setzen wir auf. Innerhalb weniger Minuten ist der Helikopter von unzähligen Menschen umringt, die vom Hubschraubergeräusch angelockt, aus dem ganzen Dorf herbeigeeilt sind.
Das Helikoptergeräusch kennen viele der Dorfbewohner aus den letzten Jahren, da wir das Dorf fast immer mit dem Helikopter besucht haben und Geschenke und Hilfsgüter brachten. Es sind auch einige "Deutschsprachige " dabei, der Urban und der Zeppetzauer. Es dauerte einige Zeit, bis wir den Leuten verständlich machten, dass wir die gebrachten Waren ausräumen, dann zur Kirche transportieren und erst am nächsten Tag verteilen. Unser Zeppetzauer mach sich gleich auf den Weg ins Dorf um ein Fahrzeug für den Transport zu organisieren. Wir hatten ja wieder ein kleines Hindernis zu überwinden. zwischen Dorf und Landeplatz fließt ein gewaltiger Gebirgsfluss und die Brücke gibt's nicht mehr....
Die Menschen waren sehr hilfsbereit, jeder nahm gleich ein Paket und marschierte zum Lagerplatz, kreuz und quer. " Macht eine Kette" so meine Anweisung. Sie verstanden es nicht, es gelang mir dann aber doch, "handgreiflich", und den Kommentar, "du stehst hier, der nächste daneben " usw. eine "Kette" zustande zu bringen. Von da an ging die Entladung sehr rasch und die Leute freuten sich darüber, wie einfach so was ist! Der riesige Berg an Paketen wurde dann von einigen Männern bewacht, damit er nicht an "Verschwindsucht" leidet. Wir starteten gleich wieder und flogen zurück nach Uschgorod um die zweite Ladung zu holen.
Als wir landeten, stand ein Lastwagen mit 3.5 Tonnen Lebensmittel bereits am Rollfeld. Die Beladung ging rasch vor sich und wir konnten dann auch noch eine Menge Kleidungssäcke im Helikopter verstauen. Mit 4.5 Tonnen flogen wir wieder nach Deutsch Mocra. Bei diesem Flug konnten wir deshalb um eine Tonne mehr zuladen, da schon eine Tonne Treibstoff verbraucht war. Die Landung war nun einfach. Der "Berg" vom ersten Flug war in der Zwischenzeit schon in die Kirche transportiert. Herr Zeppetzauer konnte ein Amphibienfahrzeug organisieren, das den reißenden Fluss durchfahren konnte und dann zur ein Kilometer entfernten Kirche die Ladung brachte. Dieses Fahrzeug hatte aber in der Zwischenzeit schon wieder einen anderen Einsatz und so blieb vom zweiten Flug wieder ein Berg von Paketen liegen.
Der Helikopter konnte aber nicht mehr länger warten, da es um 16.00 Uhr dunkel wird. So erklärten sich Herr Zeppetzauer und Herr Hartl bereit, in Deutsch Mocra zu bleiben um den Transport und die Verteilung zu überwachen. Mit dem Versprechen am nächsten Tag mit einer dritten Helikopterladung zu kommen, ließen wir die beiden in den Bergen zurück.
In der Zwischenzeit waren Wolken aufgezogen und wir mussten beim Rückflug auf eine Höhe von 1800 Meter. In Uschgorod landeten wir bei Einbruch der Dunkelheit und kehrten erschöpft zum Hotel zurück.
Gemeinsames Abendessen im Hotel. Ein neuer Kellner ist da, er kann weder Englisch noch Deutsch. Also musste ich das Abendessen auf "Russisch" bestellen. Alle wissen bereits im voraus was es zu essen gibt! Aber, oh, welche Überraschung, es gibt "Solanka" Suppe, ein paniertes Faschiertes Leibchen und einen schönen gemischten Salat. Da sieht man wie perfekt ich Russisch kann.
Wir gehen sehr früh zu Bett und denken an die zwei Ausgesetzten tief drin in den Karpaten. Unsere letzten Gedanken an diesem Tag: "hoffentlich ist es morgen schön".
Samstag 12.12.1998. Sehr früh werden wir wach, ein Blick aus dem Fenster, es ist trübe, immer wieder Schneeflocken und Nebel dazwischen, wirklich nicht das ideale Flugwetter. Wir frühstücken und fahren mit dem Bus gleich zum Flughafen. Hier die niederschmetternde Mitteilung, "derzeit kein Flug möglich", schon gar nicht mit der MI 8. Also die "Zwei" müssen noch eine Nacht in den Bergen bleiben. Viktor, der Chef vom Flughafen, verspricht uns aber, dass er alles versuchen wird, dass wir zumindest mit dem kleinen Helikopter nach Deutsch Mocra fliegen können, um die "Zwei" zu holen. Wir fahren zurück zum Hotel und geben einen Großteil der Pakete, die wir noch haben, den armen Leuten aus dem Theresiental , die im Hotel untergebracht sind. Sie besitzen ja nichts mehr. Die Freude dieser Menschen ist groß. Wir füllen ihnen das ganze Hotelzimmer mit Paketen an. Sie werden das alles mit den anderen 20 Personen teilen, die noch in Uschgorod in einer Herberge sind. Den Rest der Pakte übernimmt Frau Irina für die Armen in ihrer Pfarrgemeinde. Gerhard und Sascha (ein guter Bekannter) verladen in der Zwischenzeit die "Dnepr", die Beiwagenmaschine die er sich im Sommer gekauft hat. Sascha ist eine ganze Woche damit beschäftigt gewesen, um die nötigen Ausfuhrpapiere zu besorgen.
Um 12.30 erreicht uns ein Anruf. Wir sollen gleich zum Flughafen kommen. Wir können fliegen, aber nur mit drei Personen, wegen des Gewichtes. Eilig geht es zum Flughafen. Mit dem Bus direkt zum Helikopter, dessen Triebwerk bereits läuft. Man sagt uns, dass es inzwischen in den Bergen auch etwas aufgehellt hat. Heinrich Schmidt, unsere Dolmetscherin Maria und ich besteigen den Helikopter. Gerhard verabschiedet sich von uns mit der Vereinbarung, dass wir um ca. 16.00 Uhr wieder zurück sind und danach noch sofort zur Grenze und bis Tokay fahren. Am Montag müssen ja einige von uns in die Arbeit.
Der Pilot macht einige Funksprüche, lässt die Maschine auf Touren, will sich abmelden - kein Funkkontakt mehr. Das Triebwerk wird abgestellt, die Fehlersuche beginnt. Nach einer halben Stunde endlich Erleichterung, der Fehler ist gefunden, das defekte Teil wird gewechselt und wir können nun endlich starten.
Viktor, der Chef, vom Flughafen hat uns seinen besten Piloten gegeben um nach Deutsch Mocra zu fliegen. Es geht immer entlang der Straße oder der Eisenbahnlinie, in einer Höhe von 50 bis 100 Meter über Grund entlang der Theiss. Dann hinein ins Theresiental. Von dieser Höhe aus sieht man sehr deutlich, wie breit der Fluss war und wo er sich neue Wege gesucht hat. Wiesen und Felder sind verschwunden, Fabriken weggerissen, ein ganzes Sägewerk ist dem Erdboden gleich gemacht Der riesige Holzkran steht noch, aber an der Stelle, wo früher Holz gelagert und verladen wurde, fließt jetzt der Fluss, genau unter dem Kran durch.
Ein phantastischer Flug über das tief verschneite Theresiental. Der Schnee hat alle sichtbaren Schäden zugedeckt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir Deutsch Mocra. Der Pilot gibt uns nur 15 Minuten Zeit, um die "Zwei" zu holen. Auf zwei durchhängenden Balken überquer ich den reißenden Bergfluss und auf halbem Weg zur Kirche erreiche ich Herrn Zeppetzauer und Herrn Hartl. Beide machen sich gleich auf den Weg zum Helikopter, ich gehe weiter ins Dorf um einige Fotos zu machen und um das Dorf zu filmen. Immer wieder kommen die Menschen aus den Häusern und bedanken sich bei mir für die geleistete Hilfe. Man will mir Geschenke überreichen, Speck und eingelegte Pilze...... einfach beschämend diese Gastfreundschaft der Menschen.
Mit Verspätung erreiche auch ich den Helikopter, bekomme vom Piloten eine Rüge, es wird nämlich bald finster. Wir fliegen dann wieder ganz knapp über Grund nach Uschgorod zurück. Herr Zeppetzauer ist begeistert, er darf nämlich beim Rückflug ganz vorne beim Piloten sitzen, von da hat man durch die Glaskuppel den besten Überblick. Um 16.30 erreichen wir Uschgorod.
Das letzte Kapitel der Flüge steht noch bevor, die Bezahlung. Aber nach längeren Hin- und Her, mit Wechselkursen, Dollar, DM und Hrivna habe ich das auch geschafft und wir fahren mit einem Taxi zum Hotel zurück. Da hätte man schon fast eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Es ist nämlich inzwischen dunkel geworden und alle haben sich Sorgen um uns gemacht.
Wir packen nun sofort die Koffer und brechen auf. Wir fahren zur Grenze, kein Verkehr keine Autos. Wir passieren den Vorposten ohne Schwierigkeiten und innerhalb 15 Minuten sind wir direkt bei der Abfertigung. Dort wieder das gleiche Glück " Schichtwechsel"! Endlich erreiche ich einen Beamten lange Diskussion von wegen humanitäre Hilfe. Endeffekt zurück zum Zollhof. Wir können aber nicht zurückschieben wegen des Anhängers, also rundherum über die Einreisespur: Hier wieder ein großes Hindernis, denn theoretisch haben wir die Ukraine schon verlassen und reisen neu ein!!!!
Endlich nach 30 Minuten, Begleitfahrzeug mit Gelblicht, ab zum Zollhof......." Nie wieder Ukraine"!! ..... Am Zollhof ein sehr freundlicher Beamter der ganz gut englisch spricht. Es ist soweit alles in Ordnung, nur wir haben ein kleines Problem. Wir haben keine amtliche Bestätigung, wo wir die Hilfsgüter abgeliefert haben... keinen Stempel!. Ich erkläre unsere ganze Geschichte, den Ablauf, die Transporte mit dem Helikopter ect. Der Beamte versucht seinen Vorgesetzten zu erreichen, er telefoniert: ".Papa doma?" So höre ich, das heißt: "ist Papa zu Hause", endlich erreicht er einen zuständigen Vorgesetzten und bespricht die Situation. Mit einer handschriftlichen Erklärung von mir, in der ich den Vorgang festhalte und den Rechnungen vom Helikopter, ist das Problem gelöst. Weitere elf Stempel sind erforderlich. Nun ein weiteres Hindernis. Es ist inzwischen eine Stunde später und da wechseln auch die Zöllner, also wieder warten. Doch bereits nach einer halben Stunden kommt ein Beamter und fertigt uns endgültig ab. Er begleitet uns sogar wieder bis zur Grenze. Wir können auf der Einreisespur zur Passkontrolle vorfahren und sind an de Grenze in 10 Minuten fertig! ......doch wieder Ukraine? Bei den Ungarn erfolgt die Abfertigung mit unserem Motorrad ebenfalls sehr rasch und mit großer Erleichterung geht es weiter nach Tokaj.
Um 23 Uhr erreichen wir Tokaj, halten kurz beim Hotel und fahren dann zu Erika. Wir bekommen bei Ihr heute leider kein Ganserl, aber eines der besten "Kesselgulasch" das wir seit langem gegessen haben. Es schmeckt allen vorzüglich.
Eingehend berichten uns Herr Zeppetzauer und Herr Hartl über die Verteilung der Hilfsgüter, die dank ihrer Hilfe bestens funktioniert hat.
Der letzte Berg von Gütern wurde von einigen Männern bewacht. Sie machten dazu ein großes Lagerfeuer um sich zu wärmen, da es ja minus 20 Grad hatte. Nach drei Stunden stand das Amphibienfahrzeug wieder zur Verfügung und alle Güter wurden durch den Fluss und dann weiter in die Kirche transportiert. Mit Hilfe der Einwohnerliste bekam jede Familie die Lebensmittelpakete, die Petroleumlampe und das Petroleum. Sie konnten sich in der Kirche auch Kleidungsstücke aussuchen.
Dank der starken Kirchentüre, die förmlich gestürmt wurde, war diese Verteilung möglich. Herr Zeppetzauer ließ nur jeweils einige Personen in die Kirche ein. Die Weihnachtspakete für die Kinder, wurden anhand der Klassenlisten unter Mithilfe der Lehrer verteilt. Am Freitag verteilten Herr Hartl und Herr Zeppetzauer bis etwa 22 Uhr. Dann waren sie steif gefroren. Die Nacht verbrachten sie bei einer Familie und am Samstag setzten Sie ihr Werk fort und waren dann bis etwa Mittag fertig.
Die letzte Nacht verbrachten wir in Tokaj und am Sonntag früh nach dem Frühstück traten wir die Heimreise an. Quer durch Ungarn über Budapest erreichten wir die Grenze zu Österreich, rasche Abfertigung bei den Ungarn. Nun der österreichische Zoll. Verzollung einer Beiwagenmaschine: "Wir haben aus der Ukraine ein Motorrad mitgebracht und möchten es verzollen," der Zöllner: "Na.... was kostet das schöne Stück? Ja laut Papier, das leider nicht lesen konnte, da kyrillisch geschrieben, " 1000 Hrivna," wie viel ist das in Schilling?" Ich nenne ihm den Betrag. Ein kurzer Blick ins große Buch.... Wie viel Kubik, wie viel PS, welches Baujahr, ein kleines Formular wird ausgefüllt, nach fünf Minuten zahle ich S 970,-- und damit ist alles erledigt. Ein Blick des Zöllners auf das schöne Stück mit dem Kommentar: " da haben Sie ja was Feines ergattert", verschwindet er wieder in seinem Büro.
Endlich in Österreich! Auf schnellsten Weg geht's nach Weißkirchen bei Wels zur Frau Schickmaier auf ein vorzügliches Wienerschnitzel, das wir auch 3 Stunden nach dem wir die Grenze passiert haben, genüsslich verzehrten.
Alle Gäste im Gasthaus Schickmaier, die mitgeholfen haben, sind neugierig wollen alles erzählt bekommen! .
Am Sonntag um 21.00 Uhr sind wir endlich wieder bei uns im Hof. Gestresst, müde, aufgewühlt und eigentlich fix und fertig, mit der Frage auf den Lippen.....wieder Ukrainehilfe???.....
Wenn man sich das alles im Nachhinein durch den Kopf gehen lässt, dann verspürt man doch eine innere Freude und Genugtuung, wenn man weiß, dass die Kinder und auch die Erwachsenen von Deutsch Mocra, noch nie so schöne Weihnachtsgeschenke bekommen haben und trotz der Sorgen die sie haben, für einige Stunden wirklich Freude hatten. Sie glaubten vielleicht einige Augenblicke an das "Christkind".
Ein "Christkind", das dank unserer Hilfe, der Mithilfe vieler Personen in Österreich, in Uschgorod und der Mithilfe des Ukrainischen Militärs, wahrlich vom Himmel gekommen ist.

Ein besonderes" Dankeschön": Herrn Viktor dem Direktor des Flughafen Uschgorod, allen Helikopterpiloten, Frau Irina vom Intouristbüro in Uschgorod, unserer Dolmetscherin Maria, die alle Strapazen mit uns teilen musste, Herrn Direktor Mazola, der Ukrainischen Botschaft in Wien, speziell Herrn Vassyl Khymynets, Frau Stern Christa und Herrn Franz Fehringer und dem Kiwanis Club Wels.